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Vegane und vegetarische Kochbücher

Alke Raven

Sushila Issar, Mrinal Kopecky: „Indisch vegetarisch“

Der Inhalt
Der Anfang von „Indisch vegetarisch“ ist wie ein kleines Lehrbuch gestaltet: Zuerst werden die typischen Gewürze vorgestellt, indem ihre Herkunft, Herstellung, Verwendung, Wirkung und Haltbarkeit erläutert werden. Dabei erfährt der Leser viel Interessantes und Überraschendes, zum Beispiel über die dem Europäer als klassisch-indisch erscheinende Gewürzmischung Curry. Anschließend wird ein Blick in den „Vorratsschrank“ der traditionellen indischen Küche geworfen – informativ sind dabei auch die Hinweise zu alternativen Lebensmitteln für den nichtorientalischen Haushalt. Danach beginnt der Rezeptteil; er beinhaltet: „Grundrezepte“, „Suppen, Snacks und Salate“, „Gemüse und Hülsenfrüchte“, „Brotvariationen und Reisgerichte“, „Chutneys und Pickles“, „Desserts und Konfekt“ und „Tee und Getränke“; in den beiden letzten Kapiteln befinden sich zahlreiche Snack- und sieben Menüvorschläge. Außerdem enthält das Kochbuch eine mehrseitige Liste von Bezugsquellen für verwendete indische Lebensmittel, falls diese für einzelne Leser schwer zu bekommen sein sollten.

Exotisch kochen leicht gemacht
Die Rezepte wurden so konzipiert, dass sie leicht nachzukochen sind, zudem werden viele von ihnen mit appetitanregenden Fotos veranschaulicht (die Zubereitung von dem gebratenen Brot Paratha wird sogar mit sechs Einzelfotos verdeutlicht). Neben den Bildern mit den Speisen gibt es stimmungsreiche fotografische Impressionen vom Alltagsleben in Indien, und orientalische Muster und Farben verleihen dem Buch seinen eigenen „Look“. In Bezug auf die Rezepte an sich war es eine schöne Idee, jedes von ihnen mit persönlichen Worten der Autorinnen kurz vorzustellen – dadurch erhält das Kochbuch seinen ganz eigenen Charme, und eine eventuelle Skepsis gegenüber fremden exotischen Gerichten wird in kulinarische Neugier verwandelt. Wahrscheinlicher ist es sowieso, dass bereits beim ersten Lesen dieser original indischen Rezepte (es sind ca. 100) der Wunsch entsteht, sie so bald wie möglich auszuprobieren. Und die Autorinnen weisen darauf hin, dass viele der dargestellten Gerichte für den täglichen Speiseplan geeignet sind. (Zu beachten ist nur, dass die traditionelle indische Küche nicht unbedingt fettarm ist, aber in diesem Punkt lassen sich Rezepte generell bedarfsgemäß modifizieren.) Alles in allem ist „Indisch vegetarisch“ eine wundervolle, umfangreiche Zusammenstellung indischer kulinarischer Köstlichkeiten! Erschienen ist es im Walter Hädecke Verlag, bei dem es weitere sehr empfehlenswerte vegetarische Kochbücher gibt, z.B. „Chinesisch vegetarisch“, „Koreanisch vegetarisch“, „Risotto vegetarisch“ (italienische Küche), „Türkisch vegetarisch“, „Umweltfreundlich vegetarisch“ (ökologisch wertvoll: Rezepte mit CO2-Berechnungen), „Vegetarisches aus aller Welt“, „VegItalia“ (schnell zuzubereitende, klassische italienische Gerichte) sowie das vielgelobte, 216 Seiten starke vegane Kochbuch „Vegan & vollwertig genießen“ (mit einem Vorwort von Barbara Rütting).

„Vegan for Fun“ von Attila Hildmann und „Vegan kochen für alle“ von Björn Moschinski

Zwei Männer, zwei Bikes und eine Überzeugung
Im Jahre 2011 wurden zwei Kochbücher veröffentlicht, deren Autoren trotz unterschiedlicher Biographien vieles gemeinsam haben; eine bedeutende Übereinstimmung ist ihre Überzeugung, dass eine Abkehr des Verbrauchers vom Grauen der Massentierhaltung sinnvoll ist und sich mit einem veganen Ernährungsstil – dabei werden keine tierischen Produkte verzehrt – einfach, gesund und wohlschmeckend umsetzen lässt. Die Ernährungswissenschaft bestätigt diese Ansicht, denn in internationalen Studien wurde bewiesen, dass bei Beachtung bestimmter Ernährungsregeln der Lebensstil mit rein pflanzlicher Kost tatsächlich der gesündeste ist. Die Strategie der beiden Autoren zur Verbreitung der veganen Welle auch unter Fleischkonsumenten bestand nun nicht darin, vorwurfsvolle Worte an diese zu richten, sondern tierproduktfreie Rezepte für Gourmets zu entwickeln. Nach der Aufmachung der beiden Bücher werben sie zudem mit ihrem attraktiven Erscheinungsbild für den Veganismus – doch an dieser Stelle sei gesagt, dass sie mit ihren schmackhaften veganen Kreationen unter allen Umständen die Vertreter eines modernen, gesunden und tierethisch korrekten Ernährungsstils bleiben werden, unabhängig von veränderlichen Attributen wie Fitness und Idealgewicht.

Gerichte aller Art
Sowohl „Vegan for Fun“ als auch „Vegan kochen für alle“ enthalten eine bunte Mischung unterschiedlicher Gerichte; leichte Snacks und Vorspeisen, Süßigkeiten, Kuchen, Torten und Desserts sind ebenso enthalten wie sättigende Hauptmahlzeiten aller Art. Eine Besonderheit beider Köche ist, dass sie auch für Rezepte, die populäre nichtvegane Speisen geschmacklich und optisch imitieren, Experten sind. Sie kennen die tierschutzfernen Originale aus ihrer Kindheit und beweisen jetzt mit ihrer Kochkunst, dass sich bei Bedarf der Geschmack von Fleisch-, Fisch-, Geflügel- oder Eiergerichten auch ohne Tierleid problemlos und dabei vollkommen cholesterinfrei erleben lässt. (In jedem Buch gehört rund ein Sechstel der Speisen zu dieser Art.) Doch die Bücher haben nicht nur den Wert für den Tier- und Umweltschutz und das kulinarische Know-how ihrer Autoren gemein, auch beim Design gibt es Ähnlichkeiten: Einem ganzseitigen Farbfoto der fertigen Speise steht ein Text mit einer Zutatenliste, einer übersichtlich angeordneten Zubereitungsanleitung und relevanten Hinweisen gegenüber.

Der Vergleich
Es sind viele sehr gute vegane Kochbücher auf dem Markt, doch wer sich nun eines von einem dieser beiden engagierten und prominenten Szene-Köche kaufen möchte, könnte sich vor die Qual der Wahl gestellt fühlen. Daher folgende Anmerkungen:

  1. Die Bücher erweisen sich beim genauen Lesen nicht als Konkurrenz füreinander, sondern als ausgewogene Ergänzung. Wir haben lediglich zwei gleichartige Gerichte finden können, Pancake und Pannacotta, jedoch mit unterschiedlichen Zutaten, so dass es auch hier nicht zu Doppelungen kommt. Das trifft auch für das vegane Grundnahrungsmittel „Mayonnaise“ zu, für das jeder Koch sein eigenes Spezialrezept liefert.
  2. Wer fabelhafte vegane Suppenrezepte sucht, sollte sich für Björn Moschinskis Werk entscheiden, denn Attila Hildmann hat auf Suppen verzichtet. Dafür liefert sein Buch aber mehr Hauptgerichte. (Insgesamt gibt es in dem etwas teureren „Vegan for Fun“ 5 Rezepte mehr.)
  3.  Wer gerne Nüsse und nussartige Früchte mag, findet bei Attila Hildmann viele Rezepte mit ihnen. Der Autor hat eine Vorliebe für sie und komponiert die Gerichte entsprechend; nicht nur, aber oft verwendet er zum Beispiel Mandelprodukte oder Pinienkerne. Björn Moschinski hingegen, bei dem es allerdings auch unter anderem Tomaten-Kokos-Suppe, pikante Schweinsöhrchen mit Mandeln oder Nougatmousse gibt, konzipiert die Speisen eher mit Sojamilch, -sahne oder -joghurt. In seinem Nachwort nennt er jedoch mehrere alternative Produkte.
  4. In „Vegan kochen für alle“ gibt es nicht nur das normale Inhaltsverzeichnis, sondern auch ein nach Zutaten geordnetes Register. Beispielsweise werden unter dem Stichwort „Kartoffel“ alle Rezepte genannt, die, yep, Kartoffeln beinhalten. Dies ist für die Zusammenstellung eines Speiseplans, zum Resteverwerten und nicht zuletzt bei eventuellen Nahrungsmittelunverträglichkeiten sehr hilfreich. Dafür bietet Attila Hildmann dem Leser als Plus auf eine lockere Art einige entscheidende Gesundheitstipps. Nützliche Hinweise zu veganen Nahrungsmitteln wiederum finden sich in den Büchern beider Autoren.
  5. Die raffinierten Kopien omnivorer Kost tragen zum Beispiel die Namen (Auswahl): „Sushi“, „Döner“, „Tofubolognese“ und „Schaschlikspieße“ (in „Vegan for Fun“) und „’Thunfisch’-Salat“, „Ragout fin“, „Gulaschsuppe“ und „Sojaschnitzel Wiener Art“ (in „Vegan kochen für alle“).
  6. Es gibt in beiden Büchern auch Gerichte mit nichtpflanzlichen Zutaten: Pilzen. Sie stehen von ihrem Organismus her den Tieren näher als den Pflanzen und bilden ein eigenes biologisches Reich.
  7. Die Hardcovers haben ein recht großes Format (entsprechend plakativ sind die genannten ganzseitigen Fotos): „Vegan for Fun“: 29 x 24 x 2 cm; „Vegan kochen für alle“: 27 x 22 x 1,5 cm.

Wer keine bestimmten Nahrungsmittelunverträglichkeiten hat, kann bei der Entscheidung für nur eines der beiden Bücher nichts falsch machen, er erhält in jedem Fall ausgezeichnete Rezepte. Wer sich sowohl „Vegan for Fun“ als auch „Vegan kochen für alle“ kaufen möchte, wird zwei sich auf wunderbare Weise komplettierende Kochbücher erhalten.

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