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Uwe Timm und die Erfindung der Currywurst

Eine berührende Liebesgeschichte
Uwe Timm hat bereits einige Bücher verfasst, die „Die Entdeckung der Currywurst“ gehört zu seinen besten. Es ist eine Liebesgeschichte, die in den letzten Apriltagen des Jahren 1945 spielt. Lena Brücker hat den Marinesoldat Hermann Bremer bei einem Bombenalarm in Hamburg kennengelernt. Bremer ist auf dem Weg zurück an die Front, doch er bleibt am nächsten Morgen bei Lena Brücker und begeht damit Fahnenflucht. Als der Krieg wenige Tage später vorbei ist und Bremer sich immer noch bei Lena Brücker versteckt hält, verschweigt sie ihm das Kriegsende. Sie weiß, dass er sie verlassen würde und sie möchte dieses Glück mit dem fast zwanzig Jahre jüngeren Mann hinauszögern. 27 Tage lang gelingt ihr das, doch schließlich muss sie ihm die Wahrheit sagen. Wortlos geht er. Als kurze Zeit später ihr Mann heimkehrt, setzt sie ihn vor die Tür und nimmt ihr Leben in die eigenen Hände. Sie eröffnet einen Imbissstand. Als sie endlich alle Zutaten für die Speisen ergattert hatte, stolpert sie auf der Treppe, drei Flaschen Ketchup gehen zu Bruch und vermischen sich mit dem heruntergefallenen Curry. Dieses Missgeschick entpuppt sich als Geschmackserlebnis für Lena Brücker. So entsteht die Currywurst und wird zu einem Verkaufserfolg. Eines Tages steht auch Hermann Bremer an ihrem Stand, beide erkennen sich, doch er verschwindet ein zweites Mal wortlos aus ihrem Leben.

Die Novelle – eine moderne Gattung?
Der große Vorteil dieser Gattung besteht darin, dass es nur einen Erzählstrang gibt und nicht – wie häufig in Romanen – Nebenschauplätze, viele Figuren und mehrere erzählte Geschichten. In der Novelle tritt ein überschaubares Figurenensemble auf und die Geschichte wird gradlinig erzählt. Was nicht heißen soll, dass diese literarische Form weniger kunstvoll ist. Nur ist es heute oft so, dass die Verlage den Begriff der Novelle meiden und lieber auf das Cover der Bücher „Roman“ schreiben. Der Kunde soll schließlich etwas haben für sein Geld und ein Roman verkauft sich häufig besser als eine Novelle. Aber man sollte vorsichtig sein: einen Text „nur“ als eine Novelle zu bezeichnen, ist ungerecht. Bücher wie „Die Erfindung der Currywurst“ von Uwe Timm ist das beste Beispiel dafür.

Timms Erzählweise
Uwe Timm erzählt seine Geschichte sehr kunstvoll. Er entwirft eine Rahmenhandlung, in der der Ich-Erzähler auf die im Altersheim lebende Lena Brücker trifft. Bei einem Stück Kuchen und einen Pullover strickend, erzählt sie ihm ihre Lebensgeschichte stückchenweise, mit Vor- und Rückgriffen, hin- und herspringend, so dass der Erzähler die eigentliche Abfolge der Ereignisse herstellen muss. Er fängt im Mikrokosmos der Lena Brücker den Alltag in den letzten Kriegstagen und vor allem die erste Zeit unmittelbar nach Kriegsende ein. Während seiner Besuche im Altersheim strickt die alte Lena Brücker einen Pullover und ihre Strickarbeit wird zum Symbol einer immer stärker verwobenen Geschichte. Die verschiedenen Erzählfäden ergeben letztlich die Erzählung.

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