Tom Rob Smith ist ein britischer Bestsellerautor, der mit “Kind 44″ internationale Erfolge feiern konnte. Ein Jahr nach seinem Erstlingswerk bringt er “Kolyma” auf den Markt.
“Kolyma” knüpft an seinen Vorgänger-Thriller an. Schauplatz ist Moskau im jahre 1965. Der Protagonist Leo Demidow ist Leiter einer Mord-Dezernats, das von der russischen Regierung offiziell verschwiegen wird. Als Ex-KBLer ist er mitschuldig an zahlreichen Verhaftungen und einigen Toten. Ging es in “Kind 44″ um den Niedergang Leos in der russischen Regierung und der Versuch der Reinwaschung durch die Ermittlung in einer Mordserie, thematisiert der Autor nun etwas anderes.
Im Jahr 1965 versinkt Moskau in Chaos. Leo ist in nicht zu beneidenden Lage. In seiner jetzigen Position darf er von offizieller Seite nicht bzw. nur verdeckt ermitteln, für seine ehemaligen Kollegen beim KBL gilt er als Verräter und für eines seiner Adoptivkinder immer noch der für den Tod ihrer leiblichen Eltern Schuldige ist. Soja, die ältere der beiden Schwestern, verabscheut Leo, weshalb dieser vergeblich um ihr Vertrauen kämpft.
Doch dann wird Soja entführt. Voraussetzung für ihre Freilassung ist, dass Leo sich in ein Arbeitslager in Kolyma einschleusen und einen Priester, für dessen Verhaftung er gesorgt hat, befreit. Die Kolyma-Region im Nordosten der Sowjetunion gilt als eine der unwirtschaftlichsten Gegenden Russlands, sodass dort unzählige Häftlinge unter Stalins Herrschaft ihr Leben ließen. Dorthin verschlägt es Leo und es entspinnt sich ein spannender Konflikt um die Frage Schuld.
Smith beschreibt spannend, realistisch und beklemmend die Umstände der damaligen Zeit. Es gelingt ihm, den Leser mitzureißen in eine Welt des Chaos, der Schuld und des Kampfes um ein normales Leben. Jedoch ist der Anfang und das Ende deutlich schwächer als sein Debütwerk. Trotzdem ist es sehr spannend zu lesen und auf jeden Fall empfehlenswert!