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Barrington Barber – Die neue Zeichenschule

Alke Raven

Barrington Barber: „Die neue Zeichenschule. Zeichnen lernen in 12 Lektionen“.

Das große Talent zum Zeichnen lässt sich nicht kaufen; es wird einem geschenkt, oder eben nicht. Und doch ist das eigene Erstellen von Bildern für jeden, der noch schauen und einen Stift führen kann, ein lohnendes Hobby – die Konzentration auf die Tätigkeit des Malens wirkt entspannend und gegebenenfalls sogar therapierend. Für diese Zwecke können wir einfach drauflosmalen – in jedem Fall werden wir in die phantastische Welt des künstlerischen Schaffens geführt, unabhängig von dem Wert des Endproduktes für andere.

Wer aber die Freude am Zeichnen für sich (wieder-)entdeckt, nachdem er den schulischen Kunstunterricht schon länger hinter sich gelassen hat, oder wer niemals die Möglichkeit hatte, sein zeichnerisches Potential, ob eher klein oder gewaltig, zu entfalten, den könnte zu Recht der Ehrgeiz packen, die Qualität seiner Bilder auf ein höheres oder sogar hohes Niveau zu heben. Und für diese Kreativen gibt es wundervolle Zeichenschulen in Buchform auf dem Markt. Eine von ihnen stellen wir hier vor – doch damit sollen andere, die ebenfalls mit viel künstlerischem und auch pädagogischem Können verfasst worden sind, nicht deplaciert werden. Entscheidend für den Zeichnenden ist, überhaupt ein Exemplar von den vorhandenen guten Schulen zu wählen und dann „am Ball“ bzw. „am Stift“ zu bleiben – es lohnt sich!

Übung macht den Meister
Der Grafikdesigner Barrington Barber veröffentlichte bereits mehrere Zeichenschulen, und einige von ihnen gelten mittlerweile als Standardwerke. Das vorliegende Buch „Die neue Zeichenschule. Zeichnen in 12 Lektionen“ erschien Januar 2011 (Bassermann Verlag, München). Wie schon dem Titel zu entnehmen ist, beinhaltet es zwölf aufeinander aufbauende Kursstufen; zudem gibt es eine motivierende Einführung, in der auch die Handhabung von diversen Zeichenutensilien erläutert wird. An ihrem Ende schrieb Barber: „Aber denken Sie daran: Sie zeichnen zu Ihrem Vergnügen! Die Übungen dieses Buches möchten Ihnen helfen, den Lernprozess zu genießen und sich auf Ihre Stärken anstatt auf Ihre Schwächen zu konzentrieren.“ Derart für die Begegnung mit möglichen künstlerischen Krisen gestärkt, wird der Leser direkt in den Praxisteil geschickt; dort erwarten ihn die Grundlagen, Feinheiten und Tricks der professionellen Zeichenkunst.

Bereits in der ersten Lektion werden nicht nur handwerkliche Übungen absolviert, sondern wichtige Basiskenntnisse erlernt, z.B. über das Erzeugen von Mehrdimensionalität, die Verteilung von Licht und Schatten, die Proportionalität von Körperteilen und die Regeln der einfachen Perspektive. Überhaupt ist es ein Kennzeichen des Buches, dass in den einzelnen Übungen die zu zeichnenden Objekte nur beim Skizzieren rudimentär, in der Ausarbeitung jedoch schon als relativ anspruchsvolle Zeichnungen wiederzugeben sind – wer es denn vermag…„Denken Sie daran: Sie zeichnen zu Ihrem Vergnügen!“

Barber teilte sein Werk in folgende Sektionen auf:
1. Grundübungen für Linie, Form und Textur 2. Form und Tonwert 3. Motive auswählen 4. Im Freien zeichnen 5. Die menschliche Figur 6. Materialien und Techniken 7. Perspektive und Verkürzung 8. Die Welt der Tiere 9. Kompositionen aufbauen 10. Das Stillleben 11. Gesichter und Porträts 12. Die Landschaft. (Und auf der letzten Seite befindet sich das Register.)

Alles in allem lässt sich nur Positives über diese Zeichenschule berichten. Barber nimmt seine Leser ernst, er bietet keinen beschönigenden leichten Weg zum besseren Zeichnen an, aber dafür einen, der sichtbare Erfolge ermöglicht. Und gerade wegen des gestellten Anspruchs macht es einfach Spaß, sich auf die einzelnen Übungen einzulassen und die eigenen Fortschritte wahrzunehmen.

Zu guter Letzt sei noch das beeindruckende und dienliche Format gelobt: Das Softcover ist ca. 28 cm lang, 22,5 cm breit und 3 cm tief (303 Seiten); überdies wurde eine reinweiße, griffige Papierqualität gewählt, bei der es kein störendes Durchscheinen von Rückseiten gibt. Diese Merkmale sind Äußerlichkeiten, spielen aber bei einer Zeichenschule keine geringe Rolle.

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